Mit der Bewerbung eine Geschichte erzählen: So ist der Aufstieg möglich


Viele Bewerber, die einen Lebens- und Berufsweg mit Ecken und Kanten hinter sich haben, finden sich in einer ausweglosen Situation wieder, wenn es um die Suche nach einem neuen Job geht. Besonders diejenigen, die einen Aufstieg anstreben, werden häufig durch Umstände wie der Migrationsgeschichte, das soziale Milieu oder der finanziellen Situation massiv daran gehindert, sich in der Gesellschaft weiterzuentwickeln.

Welche Hürden dabei beim Thema Schriftliche Bewerbung sich vielen Jobsuchenden stellen und wie man versuchen kann, diese zu umgehen, berichtet Christian Scherer, Marketing Manager bei richtiggutbewerben.de.

Von anonymisierten Bewerbungen

Während in den USA anonymisierte Bewerbungen - also ohne die Angabe von Namen, Herkunft, Geschlecht, Alter oder ethnischen Ursprung - mittlerweile zur Regel gehören, ist es im deutschsprachigen Raum immer noch so, dass viele dieser Angaben zwar nicht mehr zwangsläufig gefordert, aber noch dankend angenommen werden - wie beispielsweise auch das Bewerbungsfoto. Anonymisierte Bewerbungsprozesse halten zwar auch hier langsam Einzug (vor allem in Unternehmen mit US-amerikanischen Wurzeln, die positive Erfahrungen damit gemacht haben), aber generell ist die Diskriminierung von Bewerbern aufgrund der oben genannten Punkte, trotz rechtlicher Vorbeugungen dagegen, ein Problem. Hier sollte zwingend, sowohl von Unternehmens- als auch von staatlicher Seite, Abhilfe geschaffen werden, um hier Gleichberechtigung und Aufstiegschancen zu sichern.

Einflüsse auf die Jobsuche

Anders sieht es leider bei Bewerbern aus, deren Weg zum Job schon viel früher negativ beeinflusst wurde. Gerade bei jungen Akademikern, die aus finanziell nicht besonders gut aufgestellten Elternhäusern kommen, ist zu beobachten, dass es diese auch nach ihrem erfolgreichen Abschluss schwerer haben. Die Gründe sind oft vielschichtig: Nicht nur der Zugang zum Studium ist dabei erschwert, auch der Studienverlauf ist gespickt von Problemen. Die nicht mögliche finanzielle Unterstützung führt dazu, dass trotz Förderungen ein regelmäßiger Nebenjob nötig ist, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Dadurch wird das Studium nicht in Regelstudienzeit abgeschlossen und auch Praktika, die andere Kommilitonen absolvieren konnten, fallen oftmals weg. Mangelnde Erfahrung und Probleme bei der Jobsuche nach dem Studium sind die Folge.

Doch wie kann, ist man einmal in dieser Situation, darauf reagieren? Hier sind die Möglichkeiten zwar beschränkt, aber es gibt sie doch. Natürlich lässt sich der Lebenslauf bezüglich von Studiendauer oder Erfahrungen durch Praktika nicht verändern. Allerdings kann man die Erfahrungen, die man mitbringt, möglichst ansprechend präsentieren. Wer lange neben dem Studium gejobbt hat, sollte diese Tätigkeit auch unbedingt erwähnen und dadurch zeigen, wo der Grund für die mangelnde Fachpraxis und das verlängerte Studium lag. Doch mehr als im Lebenslauf ist es im Anschreiben möglich, eine Geschichte zu erzählen und klar aufzuzeigen, warum man trotz eventueller Rückschläge oder struktureller Nachteile den Traumjob verdient hat.

Das Anschreiben richtig nutzen

Viele Bewerber mit Lebensläufen, die vielleicht aufgrund von strukturellen Problemen oder Startschwierigkeiten in der Jugend nicht ganz linear sind, sollten die Chance nutzen, wenn noch ein Bewerbungsschreiben in der Bewerbung gefordert wird. Natürlich kostet es Mühe und vielen fällt es vielleicht auch nicht leicht, offen über Probleme in der Jugend, Bildung oder im Elternhaus zu schreiben - gerade wenn es um einen neuen Job geht. Doch genau diese Ehrlichkeit kommt mittlerweile bei vielen Arbeitgebern gut an. Zielstrebigkeit, Durchhaltevermögen und der unbedingte Wille, weiter nach vorne zu kommen und sich zu entwickeln, allen Hindernissen zum Trotz, sind Eigenschaften und Soft Skills, die in der Arbeitswelt absolut gefragt sind.

Natürlich sollte man nicht in ein Jammertal im Anschreiben verfallen und den Fokus nur auf diesen Bereich setzen. Allerdings sollten vermeintliche Schwächen im Lebenslauf in Stärken umgewandelt und erklärt werden. Das Bewerbungsschreiben hat den einzigen Zweck, sich interessant zu machen. Die Qualifikationen und Fähigkeiten werden von den allermeisten Personalern und Chefs bereits mit einem kurzen Blick in den Lebenslauf geklärt. Ist der Kandidat passend, wird das Anschreiben unter die Lupe genommen. Wenn sich dort ein Charakter zeigt, der ebenfalls die besten Voraussetzungen mitbringt, ist die Einladung zum Vorstellungsgespräch so gut wie sicher.

Über den Autor:

Christian Scherer, Online Marketing Manager bei richtiggutbewerben.de, ist Sozialwissenschaftler und Experte für Digitalisierung und Online-Bewerbungen.

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