#StoryFriday: Jessica Feichtmayr

Beim #StoryFriday erzählen wir freitags Geschichten von Menschen, die es im Leben nicht immer leicht hatten und von Chancengleichheit profitiert hätten. Heute mit Jessica Feichtmayr:

Mein Name ist Jessica Feichtmayr und ich bin 23 Jahre alt. Ich studiere in dem schönen München Pädagogik und Soziologie. Doch der Weg dorthin war nicht immer einfach... Meine Mutter hat mich und meine jüngere Schwester alleine groß gezogen. Dabei hat sie sich stets bemüht, dass es uns so gut wie möglich geht. Im Fokus ihrer Erziehung stand: Ihr seid gut da, wo ihr seid und was ihr macht.

In der Grundschule hat meine Lehrerin zu meiner Mutter in einer Sprechstunde gesagt, ich sei zu blöd zum Lernen. Das traf mich natürlich als Neunjährige sehr. Zum jetzigen Zeitpunkt bin ich mir nicht sicher, ob sie vielleicht sogar der Auslöser für meinen Bildungsaufstieg war.

Meine Schwester hat den Übertritt auf die Realschule ohne Probleme geschafft, ich allerdings nicht. Ich habe 2009 meinen qualifizierenden Hauptschulabschluss gemacht und anschließend eine Ausbildung als Zahnmedizinische Fachangestellte absolviert, die ich sogar aufgrund meiner guten Noten um ein halbes Jahr verkürzen konnte. Schon während meiner Ausbildung wusste ich, dass das noch nicht alles für mich gewesen sein kann und fragte mich, warum ausgerechnet ich es nicht auch schaffen könnte, mein Abitur nachträglich zu absolvieren. Also informierte ich mich über die Möglichkeiten, die es gab, und bin nach intensiver Recherche auf die Berufsoberschule für Sozialwesen gestoßen. Nach drei Jahren hatte ich dann meine allgemeine Hochschulreife erfolgreich absolviert.

2015 habe ich mit dem Studium an der LMU München begonnen und merkte schnell, dass die soziale Herkunft eine wesentliche Rolle spielt. Die meisten KommilitonInnen, die ich kenne, kommen aus einem Akademikerhaushalt und haben ihr Abitur „klassisch“ auf dem Gymnasium absolviert. Dass das einen Unterschied machen würde, hätte ich nie gedacht. Meine KommilitonInnen haben einen ganz anderen Hintergrund als ich. So bekommen die meisten ihr Studium durch ihre Eltern finanziert, während ich jedes Jahr erneut BAföG beantragen muss und neben dem Studium arbeiten muss, um mir mein Studium finanzieren zu können.

Ich bin sehr dankbar darüber, dass ich studieren darf. Aber eine Chancengleichheit zwischen Akademiker- und Nicht-Akademikerkindern gibt es definitiv noch nicht. Daher ist es umso wichtiger, Nicht-Akademikerkinder – sofern sie das möchten – zu einem Studium zu ermutigen. Aus diesem Grund engagiere ich mich ehrenamtlich bei ArbeiterKind.de, um Studieninteressierten eine Hilfestellung zu bieten.

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