Bericht zu Phase 2 und 3 »Grundschule« und »Weiterführende Schule«


Lösungsansätze für eine bessere Förderung von Schulkindern aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien

Netzwerk Chancen setzt sich deutschlandweit für Chancengleichheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien ein. Als eine gemeinnützige und überparteiliche Dialog-Plattform bringen wir zivilgesellschaftliche Organisationen, Politiker*innen, Beamt*innen, Eltern, Wissenschaftler*innen und Schüler*innen zusammen, um gemeinsam nachhaltige Lösungen für gleiche Bildungs- und Aufstiegschancen zu entwickeln. Gleichzeitig stoßen unsere Veranstaltungen Kooperationen und neue Projekte in der Zivilgesellschaft an.

Das zweite Quartal 2017 hat Netzwerk Chancen der schulischen Bildung gewidmet und dabei mit

Teach First Deutschland kooperiert. Im Rahmen verschiedener Veranstaltungsformate wurden nicht nur Ideen und Lösungsansätze für mehr Chancengleichheit in der schulischen Bildung diskutiert – im Fokus standen auch der Austausch und die Vernetzung von Akteuren aus dem Bildungssektor untereinander und mit Entscheidungsträger*innen aus Politik und Verwaltung.

Am 4. April lud Netzwerk Chancen in den Räumlichkeiten von Teach First Deutschland zum Vernetzungstreffen der zivilgesellschaftlichen Akteure im Bereich der Grundschulbildung ein. Der Abend stand unter dem Motto "Gemeinsam für einen besseren Schulstart" und wir konnten Vertreter*innen einer Reihe zivilgesellschaftlicher Organisationen willkommen heißen. Unserer Einladung gefolgt sind InteGREATer, Berliner Büchertisch, Chancenwerk, Innocence in danger, CLIMB Lernferien, Landesverband Schulischer Fördervereine Berlin-Brandenburg e.V. und lehrermarktplatz.de.

Kurze Zeit später, am 25. April fand unter dem Dach der Deutschlandstiftung Integration das zweite Chancen Lab des Jahres statt (Das erste fand im 1. Quartal zum Thema frühkindliche Bildung statt). Das Format bietet Vertretern aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft einen vertraulichen Rahmen, um frei von politischen oder anderen Zwängen konstruktiv Handlungsansätze und -ideen zu diskutieren. Die Ergebnisse werden anschließend ausschließlich anonymisiert veröffentlicht. Unter der Leitfrage “Wie gelingt der Start in eine erfolgreiche Bildungskarriere?” kamen so Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik, des Mentorenprogramms Balu und Du, der Evangelischen Schulstiftung, des Seniorpartner in School Bundesverbands, des Programms Dialog macht Schule, der CamP Group, des STEP e.V. zur Förderung von Erziehung und Bildung sowie der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie zusammen, um gemeinsam Ideen für eine bessere Gestaltung der Grundschulen zu erarbeiten.

Die zentralen Forderungen und Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Lehrer qualifizieren, stärken und betreuen

  2. Kinder individuell fördern und jahrgangsübergreifend lernen lassen

  3. Gemeinsames Lernen bis zum Schulabschluss ermöglichen

  4. Persönliche Beziehungen ermöglichen und stärken

  5. Transparent über zivilgesellschaftliche Angebote schaffen

Auf beiden Veranstaltungen herrschte Einigkeit darüber, dass der Grundschule innerhalb der Bildungskarriere eines Kindes wesentliche Bedeutung zukommt. Hier zeigen sich einerseits bereits erste deutliche Entwicklungsunterschiede, die den Lauf einer Bildungskarriere langfristig beeinflussen können, wenn dem Kind nicht die Unterstützung und Förderung zuteil wird, die es benötigt. Andererseits ist gerade im Grundschulalter noch nichts “zu spät” und die Entwicklungsunterschiede in Bezug auf Sprache, soziale und kognitive Fähigkeiten, lassen sich in dieser Phase noch verhältnismäßig leicht ausgleichen.

Wie aber nun eine Grundschule aussehen muss, um allen Kindern gleichermaßen Chancen auf die Entfaltung ihrer Potentiale zu bieten, wurde im Rahmen der öffentlichen Veranstaltung “Die Grundschule als Grundstein für den sozialen Aufstieg” am 23. Mai mit Vertretern aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft diskutiert.

Auf dem Podium diskutierten:

  • Marianne Burkert-Eulitz, MdA (Bündnis 90/Die Grünen), Fraktionssprecherin für Familie und Bildung im Berliner Abgeordnetenhaus

  • Jennifer Busch, Gründerin von climb-Lernferien

  • Paul Fresdorf, MdA (FDP), Fraktionssprecher für Bildung, Jugend, Familie und Integration im Berliner Abgeordnetenhaus

  • Ulf Matysiak, Geschäftsführer von Teach First Deutschland

  • Prof. Dr. Felicitas Thiel, Professorin der Freien Universität Berlin im Arbeitsbereich Schulpädagogik/Schulentwicklungsforschung

Beim Austausch aller Veranstaltungsteilnehmer mit den Experten auf dem Podium wurde deutlich, dass sich die Grundschulen im Land enormen Herausforderungen gegenüber sehen, weil Lehrkräfte mit zu großen Klassen überlastet sind, die Schulen über unzureichende Ausstattung verfügen und Fördermaßnahmen oft nicht wirkungsorientiert erfolgen. Zu guter Letzt wurde auch die teilweise mangelhafte Ausbildung der Lehrkräfte kritisiert.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wurden folgende Lösungsansätze diskutiert:

  1. Einführung eines verbindlichen Schulvorbereitungsjahres für die Kinder

  2. Aufstockung des Schulbudgets und Erweiterung der finanziellen Handlungsspielräume der Schulen

  3. Eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema Grund- und Ganztagsschulen auf allen staatlichen Ebenen

  4. Begleitende außerschulische Programme für Kinder zur Stärkung ihrer Eigenständigkeit und ihres Selbstbewusstseins

  5. Verbesserung der Ausbildung von Lehrkräften an Universitäten und Pädagogischen Hochschulen

  6. Bereitstellung von Informationsangeboten an die Erziehungsberechtigten, um die Kinder auf die ihrem Potenzial entsprechende Schullaufbahn zu senden

  7. Bekanntmachung vorhandener Interventionsprogramme - insb. im Bereich der Sprachbildung

  8. Intensivere Einbeziehung der Eltern

Speziell um Herausforderungen im Bereich der weiterführenden Schulen, ging es im dritten

Chancen Lab 2017 am 12. Juni. Unter dem Motto “Weiterführende Schulen: Wie alle Schüler mitnehmen?” diskutierten Vertreter von Teach First Deutschland, Arbeiterkind.de, Rock Your Life! Berlin e.V., des Sekretariats der Kultusministerkonferenz, des Abgeordnetenhauses zu Berlin, des Landeselternausschusses, des Landesverbandes Schulischer Fördervereine e.V. (lsfb), der Fraktion Grüne Brandenburg, der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sowie Sozialarbeiter und Stadträte.

Nachfolgende Forderungen wurden im Rahmen des Chancen Lab erarbeitet:

  1. Verantwortung zwischen Politik, Schulen, Verwaltung und Zivilgesellschaft sinnvoll aufteilen

  2. Abschlüsse für alle Schüler so lange wie möglich offen halten

  3. Schulpersonal stärken

  4. Schulsozialarbeit stärken

  5. Ganztag neu denken

  6. Vorteile des kompetitiven Föderalismus nutzen

  7. Informationen zu Schullaufbahn und Schulqualität verbreiten

Netzwerk Chancen beendete die Befassung mit der schulischen Bildung mit der öffentlichen Veranstaltung “Über Chancen. Mit Udo Michallik” am 27. Juni. Bei dem Format handelt es sich um eine interaktive Diskussionsveranstaltung, bei der auf einen Impulsvortrag ein moderiertes Gespräch mit einem geladenen Gast folgt und im Anschluss die Gelegenheit zu einer offenen Diskussion besteht. In den Räumen der Berliner Landeszentrale für politische Bildung referierte zunächst Ulf Matysiak von Teach First Deutschland zu den Chancen und Herausforderungen von Ganztagsschulen in Deutschland. Anschließend sprach Natalya Nepomnyashcha mit dem Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, Udo Michallik. Herr Michallik bekräftigte, dass Bildungsverantwortung von der Gesamtgesellschaft getragen werden müsse und unterstrich, dass Chancengleichheit das bestimmende Thema in der Bildungspolitik der letzten 15 Jahre gewesen sei.

Die Ergebnisse unserer Arbeit möchten wir gerne teilen. Politische Entscheidungsträger*innen auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene haben unsere Lösungsvorschläge erhalten. Wir möchten diese jedoch auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Deshalb haben wir sie u. a. bei Tagesspiegel CAUSA sowie dem Fachkräfteportal für Kinder- und Jugendhilfe veröffentlicht.

Sollten Sie sich für detaillierte Ergebnisse interessieren, zögern Sie nicht, uns anzusprechen.

Kontakt:

info@netzwerk-chancen.de

www.netzwerk-chancen.de

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