Chancen Lab zu weiterführenden Schulen


Unter dem Motto “Weiterführende Schulen: Wie alle Schüler mitnehmen?” hatte Netzwerk Chancen am 12. Juni 2017 zum Chancen Lab eingeladen. Mit Vertretern der Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung ging es darum, Ideen und konkrete Vorschläge zu erarbeiten, wie sich weiterführende Schulen so gestalten lassen, dass sie Kinder optimal auf ihre weitere Schul- und Berufslaufbahn vorbereiten. Teilgenommen haben Vertreter von Teach First Deutschland, Arbeiterkind.de, Rock Your Life! Berlin e.V., des Sekretariats der Kultusministerkonferenz, des Abgeordnetenhauses zu Berlin, des Landeselternausschusses, des Landesverbandes Schulischer Fördervereine e.V. (lsfb), der Fraktion Grüne Brandenburg, der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sowie Sozialarbeiter und Stadträte.

Dabei wurden folgende Lösungsvorschläge diskutiert:

1. Verantwortung zwischen Politik, Schulen, Verwaltung und Zivilgesellschaft verteilen

Die Politik kann nicht alles ändern, da sie die Kontrolle in den Schulen nur durch mehr Inspektionen erhöhen kann. Deshalb müssen Schulen und Verwaltung, die Schüler und auch die Zivilgesellschaft zu mehr Verantwortung aufgefordert und befähigt werden. Schüler müssen auf Selbstverantwortung vorbereitet werden, etwa durch 1:1-Mentoring. Hierzu müssen Informationen und Orientierung bereitgestellt werden. Diese Orientierung kann zum Beispiel durch Berufsvorbereitung und Jugendberufsagenturen erfolgen, welche durch eine stärkere Zusammenarbeit von Jugendämtern und Schulen getragen werden kann. Zuletzt müssen auch andere Bürger in die Verantwortung genommen werden. Hier gilt es, die Arbeit von externen Initiativen (z.B. Elternschaft oder Vereine) von Verwaltungsseite zu fördern und bürokratische Barrieren abzubauen.

2. Abschlüsse für alle Schüler so lange wie möglich offen halten

Heute ist der Weg für Gymnasiasten bis zum Abitur ein geradliniger. Schüler anderer Schularten müssen Hürden überwinden, um zur Hochschulzugangsberechtigung zu gelangen. Dem Problem kann man entgegenwirken, indem Schulen ohne gymnasiale Oberstufe sich in Verbünden zusammenschließen und so einen direkteren Weg zum Abitur anbieten.

3. Schulpersonal stärken

Heute herrscht eine große Heterogenität sowohl zwischen Bundesländern, als auch zwischen einzelnen Schulen. Man sollte die Schulleitungen stärken, indem man sie administrativ entlastet und ihnen mehr Gestaltungsspielraum lässt. Schulleiter sind heute Manager und sollten dementsprechend Zeit zugeteilt bekommen, um konzeptionell arbeiten zu können. Gleichzeitig müssen auch Lehrer mehr Zeit für die Lehre bekommen, um Kindern individuell besser und auf Augenhöhe begegnen zu können. Die Haltung der Lehrer ihren Schülern gegenüber muss wertschätzend sein, damit ein Gefühl von “Resteschule” nicht aufkommt.

4. Schulsozialarbeit stärken

Die Schulsozialarbeit muss stark ausgebaut und besser vernetzt werden. Es gilt auch, das Bild des Sozialarbeiters als Brückenbauer zwischen Schülern, Eltern, Lehrern und Schulleitung, aber auch zu sozialen Einrichtungen oder Institutionen wie dem Gesundheitsamt, dem Sozialamt und der Arbeitsagentur zu verankern.

5. Den Ganztag neu denken

Das Konzept des Ganztages enthält das Potenzial für bessere Bildungschancen, da Kinder so besser unterstützt und gefördert werden können. Hierzu müssen die Qualitätsansprüche standardisiert und ausreichend Fachpersonal eingestellt werden. Eine Möglichkeit wäre eine feste Wochenstundenanzahl von z. B. 40 Stunden, die Ganztagsschulen mit Unterricht und durchdachten sowie wirkungsorientierten Aktivitäten prägen können. Hier kann es um Sport, Kultur oder individuelles Lernen gehen.

6. Vorteile des kompetitiven Föderalismus nutzen

Durch den Austausch von sowohl Best Practices als auch negativen Erfahrungen aus einzelnen Bundesländern kann man Vorteile aus dem föderalen Bildungssystem ziehen. Hierzu bedarf es einer stärkeren bundesländerübergreifenden Vernetzung von Akteuren verschiedenster Schulebenen.

7. Informationen zu Schullaufbahn und Schulqualität verbreiten

Heute wissen viele Schüler, Eltern und auch Sozialarbeiter oft nicht genug darüber, welche Möglichkeiten es überhaupt für eine Schullaufbahn gibt. Um dem entgegenzuwirken, müssen Informationen besser öffentlich zirkulieren, etwa durch Schulberater. Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang kann der schlechte Ruf einer Schule sein, welcher sehr lange anhält und dazu führt, dass Schulen gemieden werden, obwohl sie Verbesserungen erzielen. Um dem entgegenzuwirken, können Schülerbefragungen zur Schulqualität oder Berichte der Schulinspektoren aktiv an die Eltern herangetragen werden.

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