#StoryFriday: Eva-Jasmin Maier

July 14, 2017

Beim #StoryFriday erzählen wir freitags Geschichten von Menschen, die aus schwierigen Verhältnissen stammen und von Chancengleichheit profitiert hätten. Heute mit Eva-Jasmin Maier:

Mein Name ist Eva-Jasmin Maier. Ich bin 28 Jahre alt und komme ursprünglich aus Bretten im Landkreis Karlsruhe. In meiner Familie bin ich die erste, die studiert hat. Meine Eltern sind Automechaniker-Meister und Fließbandarbeiterin und haben 5 Kinder.

 

Bereits in jungen Jahren wurde mir von meinen Verwandten gesagt, dass aus mir "mal noch was wird". Manchmal frage ich mich, ob dies den Anreiz gab, dass aus mir tatsächlich "was geworden" ist?

 

Mein Abitur habe ich 2008 gemacht. Doch bereits 2-3 Jahre zuvor habe ich mich zum ersten Mal mit dem "wie weiter nach dem Abi?" beschäftigt. Ohne das Thema Bafög, Stipendium o.ä. überhaupt anzuschauen (ich kannte das alles gar nicht und wäre da auch nie drauf gekommen, da ich niemanden kannte, der studierte), war ich damals der Überzeugung, dass Studieren für mich mangels finanziellen Fördermöglichkeiten durch meine Eltern "Schulden machen" bedeuten würde, und ich nicht mit Schulden in meine Karriere starten möchte. Und so ging meine Tendenz zu einer Ausbildung und dem "daheim wohnen bleiben". Glücklicherweise habe ich rechtzeitig von der Möglichkeit des dualen Studiums (DH) erfahren. Auch wenn ich mich damals aus rein finanziellen Gründen für das DH-Studium nahe meinem Wohnort entschieden habe, war das rückblickend betrachtet die beste Entscheidung meines Lebens.

 

Mit dem DH-Studium bei der Landesbank Baden-Württemberg habe ich den Grundstein für meinen Werdegang gelegt. 2011 habe ich meinen Bachelor of Arts in BWL erfolgreich abgeschlossen. Von der LBBW wurde ich in ein Traineeprogramm übernommen. Seitdem arbeite ich dort erfolgreich, und werde weiter gefördert.

 

Was ist in meinem Leben passiert, dass ich es trotz widriger Umstände so weit schaffen konnte? Meine Eltern konnten mir, dem ältesten Kind, ab spätestens Klasse 8 in keinem Fach mehr bei den Hausaufgaben helfen. Für Förderung, einen Sportverein, neue Klamotten, Urlaub, einen Friseurbesuch, oder sonstigen Krimskrams, den andere Kinder so machten, oder der gerade "in" war, war nie wirklich Geld da. Durch die damit einhergehenden sozialen Einschränkungen, und mein daraus resultierendes Verhalten, wurde ich lange gemobbt.

 

Allerdings versuchte meine Mutter ihr Möglichstes, uns Kindern auch ohne Geld einiges zu ermöglichen. Sie fand immer wieder neue Quellen von oft neuwertigen und meist kostenlosen Gebrauchtgegenständen und -klamotten, sowie kostenlose Freizeitangebote wie Chor und Jungschar für uns Kinder, um uns auch ein wenig soziale Teilhabe zu ermöglichen. Ich selbst las sehr viel - auch wenn es oft nur einfache Teenie-Romane waren, trug das viele Lesen zu guter Rechtschreibung, Sprachgewandtheit und einem umfangreichen Wortschatz bei. Mein geringes Taschengeld investierte ich in eine Dauerfahrkarte für den ÖPNV, um damit flexibel zu sein, um Nachhilfe und Babysitting anbieten zu können und damit wiederum Geld zu verdienen. Parallel übernahm ich früh für meine Familie Verantwortung. 

 

Wäre das alles so nicht passiert, bin ich mir sicher, dass ich die Stärke und Resilienz, die mich heute ausmacht, nicht entwickelt hätte. Ich war allerdings nie die Beste in Schule und Studium, immer gut, aber nie die Nummer 1. Geholfen hätte mir damals sehr eine einfachere Sprache. Noch heute lerne ich immer wieder neue Fachbegriffe, die andere in ihrem täglichen Sprachgebrauch wie selbstverständlich verankert haben. Neben Lehrern, die mich z.B. in der Mathe-AG förderten, bin ich mit 16 in eine immer noch andauernde, ehrenamtliche Laufbahn bei der evangelischen Jugend hineingerutscht, die meine Fähigkeiten extrem gefördert hat, und für die ich super dankbar bin. Ich durfte mich in allem Möglichen ausprobieren, Holz hacken, mir einen Tanz ausdenken [...]. Je mehr ich machte, desto mehr lernte ich kennen, desto besser wurde ich darin, durfte dadurch wieder neue Aufgaben übernehmen usw., bis ich in Gremien der Landes- und Bundesebene mitwirken durfte.

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