Bericht zur 1. Phase »Frühkindliche Bildung«

June 2, 2017

 

Lösungsansätze für eine bessere Förderung von Kleinkindern aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien

 

Netzwerk Chancen setzt sich deutschlandweit für Chancengleichheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien ein. Als eine gemeinnützige und überparteiliche Dialog-Plattform bringen wir zivilgesellschaftliche Organisationen, Politiker*innen, Beamt*innen, Eltern, Wissenschaftler*innen und Schüler*innen zusammen, um gemeinsam nachhaltige Lösungen für gleiche Bildungs- und Aufstiegschancen zu entwickeln. Gleichzeitig stoßen unsere Veranstaltungen Kooperationen und neue Projekte in der Zivilgesellschaft an.

 

Die erste Phase 2017 hat Netzwerk Chancen der frühkindlichen Bildung gewidmet. Im Rahmen verschiedener Veranstaltungsformate wurden nicht nur Ideen und Lösungsansätze für mehr Chancengleichheit in der frühkindlichen Bildung diskutiert – im Fokus standen auch der Austausch und die Vernetzung von Akteur*innen aus dem Bildungssektor untereinander und mit Entscheidungsträger* innen aus Politik und Verwaltung.

 

Der Startschuss fiel mit dem Vernetzungstreffen am 9. Februar 2017 in den Räumlichkeiten der Deutschlandstiftung Integration. Der Abend stand unter dem Motto »Kooperation – Voneinander lernen«. Es richtete sich an zivilgesellschaftliche Akteur*innen, die im Bereich der frühkindlichen Bildung tätig sind. Teilgenommen haben Vertreter*innen einer Reihe von zivilgesellschaftlichen Organisationen, darunter u.a. Deutscher Kinderschutzbund, Stiftung Haus der kleinen Forscher, Stiftung Fairchance, AWO Landesverband Berlin, Librileo gemeinnützig, Naturschutzjugend, Pfefferwerk Stadtkultur, Stadtteilzentrum Steglitz, eventus-BILDUNG, KJHV/ KJSH-Stiftung, AWO Berlin Spree-Wuhle, GEBEWO, BLSB e.V. Regenbogenfamilienzentrum, Kindergärten NordOst, Kita Wassertropfen sowie Lebenshilfe iKita gGmbH. Die Veranstaltung bot allen die Möglichkeit, Akteur*innen aus dem Bildungssektor kennenzulernen und Erfolgsrezepte für wirkungsvolles Arbeiten in der frühkindlichen Bildung auszutauschen.

 

Ebenfalls unter dem Dach der Deutschlandstiftung Integration fand am 7. März 2017 das erste Chancen Lab von Netzwerk Chancen statt. Das Format bietet Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft einen vertraulichen Rahmen, um frei von politischen oder anderen Zwängen konstruktiv Handlungsansätze und -ideen zu diskutieren. Die Ergebnisse werden anschließend ausschließlich anonymisiert veröffentlicht. Unter der Leitfrage »Beste Bildung von Anfang an – aber wie?« kamen so Vertreter*innen von zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Stiftung Haus der kleinen Forscher, AWO Bundesverband, Deutsches Kinderhilfswerk, Librileo gemeinnützig, Landesarmutskonferenz sowie Bundeselternvertretung

der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege zusammen, um gemeinsam mit Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung Ideen für eine bessere frühkindliche Förderung zu erarbeiten.

 

Die zentralen Forderungen und Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

 

  • Bundesweit einheitliche Qualitätsstandards im Kita-Bereich durch ein Bundesqualitätsgesetz

  • Bessere Ausbildung und fortlaufende Qualifizierung von Pädagog*innen

  • Bundesweite Abschaffung von Kita-Gebühren

  • Einführung einer Kindergrundsicherung, um Kinderarmut vorzubeugen

  • Intensivere Arbeit mit den Eltern zur Stärkung des Lernorts Familie

 

Auf allen Veranstaltungen herrschte darüber Einigkeit, dass die Weichen für eine erfolgreiche Bildungskarriere bereits in den ersten Lebensjahren eines Kindes gestellt werden und es daher umso wichtiger ist, allen Kindern möglichst früh eine sehr gute Förderung zuteil wird. Wie dies erreicht werden kann, diskutierte Netzwerk Chancen auch im Rahmen der öffentlichen Abendveranstaltung zum Thema »Hürden abschaffen – Chancen schaffen: Frühkindliche Förderung für alle« am 28. März 2017 mit Vertreter*innen aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft. Natalya Nepomnyashcha, Gründerin von Netzwerk Chancen, moderierte den Abend.

 

Auf dem Podium diskutierten:

 

  • Ulrike Bahr, MdB (SPD), Stellvertretendes Mitglied der Kinderkommission und Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend des Deutschen Bundestages

  • Sandra Cegla, Stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion Berlin-Mitte und ehemalige Kriminalkommissarin

  • Holger Hofmann, Geschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks e. V.

  • Katrin Möller, MdA (Die Linke), Fraktionssprecherin für Kinder-, Jugend- und Familienpolitik im Berliner Abgeordnetenhaus

  • Prof. Dr. Natascha Naujok, Professorin für Sprache und Kommunikation im Studiengang Kindheitspädagogik der Evangelischen Hochschule Berlin

 

Beim Austausch aller Veranstaltungsteilnehmer*in nen mit den Expert*innen auf dem Podium wurdedeutlich, dass sich die Kinderbetreuung in Teilen Deutschlands in einer »katastrophalen Lage« befinde, die weder für die Erzieher noch die Eltern und am allerwenigsten für die Kinder tragbar ist. Das Fazit der Teilnehmer*innen der Veranstaltung: Es muss sich vieles ändern.

 

 

 

Folgende Lösungsansätze wurden diskutiert:

 

  1. Aufstockung des Kitapersonals und der Ausbildungs-/Studienplätze für Pädagog*innen

  2. Ständige Fortbildungs- und Beratungsangebote für pädagogische Fachkräfte

  3. Bessere Arbeitsbedingungen wie höhere Bezahlung zur Attraktivitätssteigerung des Berufs

  4. Bundesweite Qualitätsstandards für Kitas und bessere Infrastruktur

  5. Bundesweit gebührenfreie Kitas

  6. Aufhebung des Kooperationsverbots

  7. Langfristige Erhöhung des Kindergeldes auf knapp 300 Euro

  8. Stärkere Begleitung von Familien, z.B. durch Familienhebammen

 

 

Die Ergebnisse unserer Veranstaltungen möchten wir gerne teilen. Politische Entscheidungsträger* innen auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene haben unsere Lösungsvorschläge erhalten. Wie möchten diese jedoch auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Deshalb haben wir sie u.a. auf der größten deutschsprachigen Ideenplattform für Kitas, Kita-Global.de veröffentlicht. Außerdem erschien ein Beitrag mit unseren Lösungsvorschlägen auf dem Blog von Prof. Dr. Helen Knauf.

 

© Netzwerk Chancen I Holger Boening

Den Bericht können Sie als PDF herunterladen.

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