Hürden abschaffen, Chancen schaffen: Frühkindliche Förderung für alle

May 10, 2017

 

 

Die Weichen für eine erfolgreiche Bildungskarriere werden bereits in den ersten Lebensjahren eines Kindes gestellt. Umso wichtiger ist es, dass allen Kindern möglichst früh sehr gute Förderung zuteil wird. Wie dies erreicht werden kann, diskutierten wir am 28. März 2017 im Rahmen unserer Abendveranstaltung zum Thema "Hürden abschaffen – Chancen schaffen: Frühkindliche Förderung für alle" mit Vertretern aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft.

 

Beim Austausch aller Veranstaltungsteilnehmer mit den Experten auf dem Podium wurde deutlich, dass sich die Kinderbetreuung in Teilen Deutschlands in einer “katastrophalen Lage” befindet, die weder für die Erzieher noch die Eltern und am allerwenigsten für die Kinder tragbar ist. Dass sich in diesem Bereich noch Vieles zum Positiven ändern muss, darüber herrschte gemeinsamer Konsens.

 

Holger Hofmann, Geschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks e. V., wünschte sich von der Bundesregierung langfristig eine Erhöhung des Kindergeldes auf knapp 300 Euro, dies entspräche dem maximalen steuerlichen Freibetrag für Besserverdienende. Dem Staat sollte jedes Kind gleich viel wert sein. “Studien zeigen, dass Eltern das Geld in erster Linie für ihre Kinder ausgeben[1]”, so Hofmann. Weiterhin sprach er sich für eine Verzahnung verschiedener Politikfelder aus. “Auch Finanzpolitik und Wirtschaftspolitik beeinflussen die Chancen von Kindern und müssen daher mit der Jugendpolitik koordiniert werden. Außerdem müssen wir Familien von Anfang an stärker begleiten und zum Beispiel die Institution der Familienhebammen ausbauen.
 

Ulrike Bahr, MdB (SPD), Stellvertretendes Mitglied in der Kinderkommission und Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend des Deutschen Bundestages, sprach sich für bundesweite Qualitätsstandards und eine bessere Infrastruktur aus. Sie außerdem befürwortete die Aufhebung des Kooperationsverbotes.
 

Katrin Möller, MdA (Die Linke), Fraktionssprecherin für die Politikfelder Kinder-, Jugend- und Familienpolitik, verwies darauf, dass der geforderte Anspruch für die 7-Stunden-Betreuung ab dem ersten Lebensjahr gelte und in Berlin gerade in Gesetzesform gebracht und damit die Forderung somit schon umgesetzt werde. Einen Rechtsanspruch für eine ganztägige Kinderbetreuung bzw. eine Kita-Pflicht, wie aus Teilen des Publikums gefordert, hielt sie für nicht realisierbar, da Sanktionen nicht umsetzbar seien “und weil es um eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern geht. Zudem müssen in Berlin bis 2020 30 Tausend neue Kitaplätze geschaffen werden. Dafür sind ca. 7000 zusätzliche ErzieherInnen nötig.” Es sei gleichermaßen wichtig,  die Attraktivität des ErzieherInnenberufes zu erhöhen.

 

Sandra Cegla, Stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion Berlin-Mitte und ehemalige Kriminalkommissarin, verwies auf Gewalt in Familien, insbesondere in einkommensschwachen Familien, und sozialen Brennpunkten Berlins. Sie befürwortete daher gut ausgebaute Jugendämter, die bei genauer Betrachtung sinnvoller strukturiert werden können, gebührenfreie Kitas sowie niedrigschwellige ehrenamtliche Angebote, die die Familien stärken. Dass die Kita-Gebühren für Eltern eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen, rechnete Danilo Fischbach, Sprecher der Bundeselternvertretung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege (BEVKi), vor.

 

Prof. Dr. Natascha Naujok, Professorin für Sprache und Kommunikation im Studiengang Kindheitspädagogik der Evangelischen Hochschule Berlin, sprach die zahlreichen Herausforderungen in den Kitas an, insbesondere hinsichtlich einer kultursensitiven, vorurteilsbewussten Arbeit mit Kindern und ihren Familien sowie in Hinblick auf verschiedene Sprachförderbedarfe. „Es mangelt an Personal, Ausbildungs- und Studienplätzen, an ständigen Fortbildungs- und Beratungsangeboten für pädagogische Fachkräfte sowie an besseren Arbeitsbedingungen, die den Beruf attraktiver machen.“ Kinder würden in Beziehungen lernen; deshalb müsse es pädagogischen Fachkräften gelingen, Beziehungen zu ihnen aufzubauen und sie in Beziehungen mit Gleichaltrigen voneinander lernen zu lassen. Dies gelte auch für das Sprachenlernen.

 

Die Veranstaltung bot viel Raum für freien, ergebnisorientierten Austausch zwischen Entscheidungsträgern, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und interessierten Bürgern. Wir freuen uns auf viele weitere offene Diskussionsveranstaltungen mit neuen Lösungsansätzen für mehr Chancengleichheit!

 

 

[1] Eltern in Deutschland gehen mit dem Kindergeld im Durchschnitt verantwortungsvoll um und investieren es größtenteils zum Wohl der Kinder. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) 2012  veröffentlicht hat. Demnach fließt jeder zusätzliche Kindergeld-Euro mindestens zur Hälfte in Lebensmittel und die Verbesserung des Wohnumfeldes, wovon die Kinder unmittelbar profitieren. Erhöhte Ausgaben für Zigaretten und Alkohol lassen sich nicht nachweisen. Erst mit steigendem Alter der Kinder nutzen Eltern das Kindergeld vermehrt für eigene Freizeitaktivitäten. Quelle: https://idw-online.de/de/news?print=1&id=505826  


 

 

 Bilder: (c) Holger Boening, Netzwerk Chancen

 

 

 

 

 

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